Wise use - die sinnvolle und kluge Nutzung von Mooren

Das Wise use-Konzept für Moore wurde als Kooperation zwischen der International Mire Conservation Group (IMCG) und der International Peat Society (IPS) durch Joosten & Clarke [1] entwickelt. Das Konzept bietet einen Rahmen für Entscheidungen zur Nutzung von Mooren. Die zentrale Aussage ist, dass eine Entscheidung dann klug ist, wenn diese weder von heutigen noch von zukünftigen Generationen verurteilt werden kann.

…the uses of peatlands for which reasonable people now and in the future will not attribute blame“ [1].

Wise use, d.h. die weise, kluge bzw. sinnvolle Nutzung von Mooren, sind jene Formen der Nutzung (oder eben des Nutzungsverzichts, vgl. Arten der Nutzung) für die sich unter gleichen Bedingungen auch zukünftigen Generationen entscheiden würden. Gleiche Bedingungen sind dabei z.B. Lebensumstände und verfügbares Wissen.

Die Frage, wie Moore genutzt werden sollen, ist konfliktreich. Es gibt unterschiedlichste ökonomische, soziale und ökologische Interessen und Präferenzen heutiger und zukünftiger Generationen. Für eine kluge Entscheidung müssen alle Interessen bzw. alle direkten und indirekten Auswirkungen auf heutige und zukünftige Generationen identifiziert und abgewogen werden.

Sinnvolle Moornutzung in Deutschland

Die Problematik der entwässerten Moornutzung, welche enorme Umweltbelastungen und hohe gesellschaftliche Kosten mit sich bringt, ist bekannt. Die Lösung zur Reduktion der Umweltbelastungen und Kosten (Wiedervernässung) ist ebenfalls bekannt und die Verfahren sind erprobt. Gleiches gilt für alternative nasse Nutzungsformen, wobei hier die Praxiserfahrung begrenzt ist. Das Übereinkommen von Paris der Klimarahmenkonvention gibt vor, dass bis 2050 die jährlichen Treibhausgasemissionen um bis zu 95% reduziert werden müssen. Je eher diese Reduktion stattfindet, desto geringer sind die gesellschaftlichen Kosten und die Auswirkungen. Vor diesem Hintergrund ist nur in besonderen Fällen eine Weiterführung einer entwässerten Nutzung auf Moorstandorten vertretbar.

Land- und Forstwirtschaft
auf organischen Böden ist nur dann sinnvoll, wenn sie als Fortführung der Nutzung nach einer Wiedervernässung (Paludikultur) stattfindet.

Land- und Forstwirtschaft auf entwässerten Mooren führt zu erheblichen Umweltauswirkungen. Dies sind unter anderem hohe Treibhausgasemissionen, der Verlust von moortypischen Arten und Biodiversität und Stickstoffeinträge in angrenzende Gewässer sowie der mittel- bis langfristig Verlust vieler Standorte durch Degradation und Sackung.

Gleichzeitig ist die Bedeutung für die landwirtschaftlichen Gesamtproduktion in Deutschland bei einem Flächenanteil von 7% der Nutzfläche gering (in Relation zu den Umweltauswirkungen und deren Bedeutung besonders für zukünftige Generationen). Die Nutzungsaufgabe auf diesen Flächen gefährdet nicht grundlegende Bedürfnisse unserer Gesellschaft. Aus diesen Gründen kann eine entwässerte land- und forstwirtschaftliche Nutzung nicht als sinnvoll angesehen werden.

Um hohe gesellschaftliche Kosten zu vermeiden und zukünftigen Generationen funktionsfähige, in vielseitigen Facetten nutzbare Moore zu hinterlassen, muss die Wiedervernässung und ggf. eine Weiterführung der Nutzung der, dann nassen, Moorstandorte (Paludikultur) schnellstmöglich erfolgen.

Während die Bedeutung der Moorflächen für die Gesamtproduktion der Landwirtschaft gering ist, kann die Bedeutung für Einzelbetriebe erheblich sein. Die Existenz dieser Betriebe muss durch Transferzahlung gewährleistet und die Umstellung dieser Betriebe auf eine nachhaltige Moornutzung unterstützt werden.

Torfabbau
Torfabbau kann nur dann sinnvoll sein, wenn die Nutzung des Torfs sinnvoll ist. Eine Aussage zur Sinnhaftigkeit oder Verantwortbarkeit des Torfabbau ist ohne die Betrachtung der Verwendung des Torfes nicht möglich.

Torf wird in Deutschland hauptsächlich im industriellen und privaten Gartenbau eingesetzt. In anderen europäischen Ländern wird Torf auch in großem Maßstab als Energieträger genutzt. Nur im industriellen Gartenbau ist Torf bis heute unersetzbar, da Alternativen in der notwendigen Qualität und Quantität bisher nicht vorhanden sind. Im privaten Gartenbau lässt sich Torf sehr gut ersetzen, da die Qualitätsansprüche wesentlich geringer sind. Als Energieträger lässt sich Torf z.B. durch Erdgas ersetzen und gleichzeitig lassen sich erhebliche Treibhausgasemissionen einsparen. Aus diesem Grund kann Torfabbau und Torfnutzung für den Privatmarkt oder als Energieträger nicht als sinnvoll angesehen werden.

Da bisher nicht ersetzbar, aber für die Produktion unserer Nahrung erforderlich, kann die Nutzung und daher auch der Abbau von Torf für den industriellen Gartenbau heute noch als sinnvoll angesehen werden. Allerdings müssen gleichzeitig auch erhebliche Anstrengungen unternommen werden um mittelfristig Torf als Substrat zu ersetzen. Außerdem muss der Torf dort abgebaut werden, wo die Umweltauswirkungen am geringsten sind. Torfabbau darf nur auf schon entwässserten Flächen, die gegenüber natürlichen Mooren schon viele ihrer schutzwürdigen Eigenschaften verloren haben stattfinden. Ein Verbot des Abbaus in Deutschland ist nicht sinnvoll, da dies nur zur Verdrängung in andere Länder mit wesentlich wertvolleren Mooren führt. Nach Ende des Torfabbaus sollten die Flächen für die Produktion von Torfersatzstoffen genutzt werden.

Auf Flächen die sich heute schon im Torfabbau befinden aber gleichzeitig die Hydrologie von schützenswerten Mooren beeinflussen (Beispielsweise in der Esterwegerdose) muss der Abbau gestoppt werden.

Weitere Informationen und Quellen

[1]   Joosten, H.; Clarke, D. (2002): Wise use of mires and peatlands - Background and principles including a framework for decision-making. International Mire Conservation Group / International Peat Society, 304 p. pdf

[2]   Rawls, J. (1971): A Theory of Justice (Eine Theorie der Gerechtigkeit). p. 266. ISBN 0674000781.