Klima und Moorschutz

Moorböden speichern Kohlenstoff in Form von unvollständig zersetzten Pflanzenresten im Torf. Torfe bilden sich über Jahrtausende hinweg und speichern den Kohlenstoff unter Wassersättigung permanent. Natürliche, lebende Moore sind daher langfristig Senken für Kohlenstoff, auch wenn es durch wechselnde Witterungen dazu kommen kann, dass nicht jedes Jahr Kohlenstoff festgelegt wird, oder Moore kurzfristig eine Kohlenstoffquelle sind. In Deutschland stellen Moore mit 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff den größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher dar [1].

Neben Kohlendioxid können Moore das Treibhausgas Methan emittieren, welches eine höhere Erwärmungswirkung auf das Klima hat. Hydrologie, Vegetation und Temperatur beeinflussen die Methanemissionen. Aerenchymatische Pflanzen, wie Schilf oder Rohrkolben, begünstigen sie. Lachgas hat eine noch stärkere Erwärmungswirkung, spielt in natürlichen, lebenden Mooren jedoch keine Rolle, solange keine wechselfeuchten Bedingungen vorherrschen. Langfristig überwiegt die Senkenfunktion. Änderungen des Klimas und der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre beeinflussen den Treibhausgasaustausch in Mooren und könnten auch die Eigenschaft als Senke verändern.

→ Natürliche, lebende Moore sind langfristig Kohlenstoffsenken und permanente Kohlenstoffspeicher.

Klimawirkung der landwirtschaftlichen Moornutzung

In Deutschland gibt es etwa 156.8200 km² organische Böden [6], wovon der Hauptteil dieser Flächen Moorböden sind. Diese werden fast vollständig entwässert [1] und zu großen Teilen landwirtschaftlich, als Grünland oder Acker, genutzt (s. Abb. innerer Ring). Obwohl organische Böden nur 7 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmachen, sind sie für 37 % der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft verantwortlich (s. Abb. äußerer Ring). Durch Anheben der Wasserstände könnten 27 %, d.h. über 28 Mio. t CO2-Äq., reduziert werden (s. Abb. Umrahmung äußerer Ring).

Abb. Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft (Sektor Landwirtschaft zuzüglich Acker- und Grünlandwirtschaft des Sektors Landnutzung) in Deutschland (Darstellung nach Angaben des Umweltbundesamt 2016 [3])

Durch Entwässerung verlieren Moore ihre Senken-funktion und werden zu Treibhausgasquellen. Ohne die permanente Wassersättigung können Mikroorganismen unter Sauerstoffzufuhr den Torfkörper zersetzen. Der dort gespeicherte Kohlenstoff gelangt als Kohlendioxid in die Atmosphäre. Pro 10 cm Entwässerungstiefe werden 5 t CO2-Äq. je ha emittiert. Diese Faustregel ist bis zu einer Entwässerungstiefe von -90 cm bzw. 45 t CO2-Äq. je ha linear. Mit dem Klimaschutzrechner können hier die Treibhausgasemissionen, sowie die verursachten Klimakosten und Geländehöhenverluste, mit anpassbaren Eingangsdaten berechnet werden.

Methanemissionen spielen in entwässerten Mooren selbst keine Rolle, können aber in den Entwässerungsgräben sehr hoch sein. Durch den Abbau von Stickstoffverbindungen bei Sauerstoffzufuhr können Lachgasemissionen entstehen, welche bei Stickstoffdüngung noch stark begünstigt werden.

Klimawirkung wiedervernässter Moore

Durch Anheben der Wasserstände können die Emissionen aus landwirtschaftlichen Flächen deutlich reduziert werden. Trotzdem werden dadurch keine großen Kohlenstoffsenken entstehen. Die Entstehung mächtiger Torfschichten als Kohlenstoffspeicher dauerte Tausende von Jahren.

Weitere CO2-Emissionen nach Wiedervernässung, v.a. bei wechselfeuchte Standorte, sind möglich. Zu Beginn beeinflusst auch der Nährstoffgehalt der Flächen die Emissionen, bei nährstoffreichen Böden sind die Emissionen höher als in natürlichen Mooren, bei nährstoffarmen Böden hingegen niedriger. Bei sehr nährstoffreichen Böden und starkem Überstau kann die Erwärmungswirkung auf das Klima in den ersten Jahren höher sein als bei Entwässerung. Die Lachgasemissionen sind wie in natürlichen Mooren gering.

Die geringste Klimawirkung haben Moore bei mittleren Jahreswasserständen nahe der Geländeoberkante. Zu den Klimaschutzzielen und –Maßnahmen in Deutschland gibt es hier weitere Informationen. mehr...

Wiedervernässung als Klimaanpassung

Das Ökosystem Moor leistet in Zeiten des Klimawandels nicht nur eine wichtige Klimaschutzfunktion durch Speicherung von Kohlenstoff im Torf, sondern kann in Anbetracht der stetig steigenden THG-Konzentrationen und den immer größer werdenden Herausforderungen der Klimaveränderung auch eine wichtige Rolle bei der Klimaanpassung übernehmen. Im Folgenden werden die einzelnen Ökosystemdienstleistungen der Moore beschrieben, die für die Anpassung an den Klimawandel eine Rolle spielen.

  • Wasserrückhaltefunktion
  • Hochwasserschutz durch Moore
  • Verdunstungskühlung eines Moores
  • Bodenschutz mit Paludikultur

Quellen

[1]   Crump J (Hrsg.) (2017): Smoke on Water – Countering Global Threats From Peatland Loss and Degradation. A UNEP Rapid Response Assessment. United Nations Environment Programme and GRID-Arendal, Nairobi and Arendal. Smoke on Water

[2]   Jurasinski G, Günther A, Huth V, Couwenberg J, Glatzel S (2016): Treibhausgasemissionen. In Wichtmann W, Schröder C, Joosten H (Hrsg.): Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Klimaschutz − Biodiversität − regionale Wertschöpfung. Schweizerbart Science Publishers, Stuttgart, 272 p.

[3]    Umweltbundesamt (2016) National Inventory Report, Germany – 2016

[4]   Wetlands International (2015) Briefing paper: accelerating action to Save Peat for Less Heat!

[5]   Wilson D., Blain D., Couwenberg J., et al. (2016): Greenhouse gas emission factors associated with rewetting of organic soils. Mires and Peat, Volume 17 (2016), 1-28

[6]   Joosten, H., Tanneberger, F. & Moen, A. (Hrsg.)(2017) Mires and peatlands of Europe - Status,
distribution and conservation. Schweitzerbart Science Publishers, Stuttgart. 780 p. Link