Wiedervernässung/Moorrestaurierung

Wiedervernässung kann einen Gewinn für die breite Bevölkerung erbringen, da viele negative Umwelteinflüsse, die durch Entwässerung erzeugt wurden, umgekehrt werden. Vernässt werden i.d.R. hydrologischen Einheiten (Polder oder Einzugsgebiete) und somit größere Gebiete. Früher wurde viel Energie und Geld in die Entwässerung der Moore verwendet, um (landwirtschaftlich nutzbares) Land zu gewinnen oder Torf abzubauen. Heute drängen Fragen des Klima-, Biodiversitäts- und Gewässerschutzes, und nicht immer sind landwirtschaftliche Moorflächen noch ertragreich. Die Kommunikation und Partizipation der Menschen vor Ort und deren Entscheidungsträger ist jedoch maßgeblich, um Konflikten vorzubeugen bzw. erfolgreich zu lösen und somit eine von allen getragene Moorrestauration durchführen zu können.

Zu Beginn jeder Moorrestaurierung müssen die Ziele in Abhängigkeit von den Ausgangsbedingungen und den Restaurierungspotenzialen des Moores abgesteckt werden. Alle Maßnahmen müssen moorspezifisch, in Abhängigkeit von Klima, Wasserverfügbarkeit und Topographie, gewählt werden. Ziel ist es, in nassen Zeiten so viel Wasser zu speichern, dass in trockenen Zeiten Verluste aus Evapotranspiration ausgeglichen werden können.

Stabile hohe Wasserspiegel können durch passende hydrologische Maßnahmen eingestellt werden, die beinhalten, dass:

I. die Wasserverluste im Moor gesenkt werden Wasserverluste spielen in den meisten Fällen eine Hauptrolle an der Entwässerung. Sie können gesenkt werden, durch:
  • Verwallungen und Grabenverfüllungen
  • Erhöhung der Überläufe von Stauen und Schleusen
  • blocken von Wasserläufen durch Bäume, Steine, Vegetation oder Biberdämme
  • Untauglich machen von Unterflur-Entwässerungsanlagen
  • Entfernen von Bäumen in ursprünglich baumfreien Mooren, wodurch starke Evapotranspiration vermieden wird
  • hydrologische Pufferzonen mit höheren Wasserspiegeln in der Umgebung
Überschüssiges Wasser muss abfließen können. Die Bauten müssen auch Abflussspitzen standhalten können. Um Torferosion zu vermieden, sollte der Wasserabfluss möglichst verteilt sein.
II. das Wasserangebot für das Moor erhöht wird Das Wasserangebot kann erhöht werden durch:
  • Verringerung der Grundwasserentnahme und/oder Steigerung Grundwasserneubildung im Einflussgebiet
  • Wasser in die Flächen umleiten
  • Aktive Bewässerung der Flächen
  • Humifizierte und stark kompaktierte Torfe perforieren, so dass eine Ableitung des Wassers in das Grundwasser möglich ist
Wird Wasser eingeleitet, ist die Wasserqualität zu berücksichtigen. Sulfatreiches Wasser sollte vermieden werden, da es den Torfabbau verstärkt.
III. der Wasserspeicher im Moor vergrößert wird Der Wasserspeicher kann erhöht werden, durch:
  • Installation von Dämmen – so kann auf der Oberfläche mehr Wasser gehalten werden
  • Anlage von Kaskaden (vgl. Reisfelder) für die Vernässung geneigter Moore
  • Beibehaltung/Schaffung von Senken
  • Dämme und Senken dürfen nicht zu groß sein, da sonst die Gefahr der Wind- oder Wellenerosion besteht.

    In Deutschland wird die Wiedervernässung von Mooren auf Länderebene über Moorschutzprogramme und -konzepte gefördert. mehr...

    Vernässungsleitfäden

    Allgemein

    [1]   Siuda et al. (2010) Moorrenaturierung kompakt - Handlungsschlüssel für die Praxis. mehr...

    [2]   Ssymank et al (2015): Handlungsleitfaden „Moorschutz und Natura 2000 für die Durchführung von Moor­revitalisierungsprojekten. In Vischer-Leopold M. et al. (Hrsg.): Natura 2000 und Management in Moorgebieten. Naturschutz und Biologische Vielfalt 140: 277-312. pdf

    Hochmoore

    [3]   Siuda et al. (2002) Leitfaden der Hochmoorrenaturierung in Bayern. mehr...

    Niedermoore

    [4]   Wagner & Wagner (2005) Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern. mehr...

    International

    [5]   Lunt et al. (2010) Peatland Restoration. pdf

    [6]   Quinty & Rochefort (2003) Peatland Restoration Guide. Second Edition. pdf

    [7]   Schumann & Joosten (2008) Global Peatland Restoration Manual. pdf

    [8]   Landry & Rochefort (2012) The drainage of peatlands: impacts and rewetting techniques.pdf

    Quellen

    [9]   Joosten H (2014) Rewetting of drained peatlands. In Biancalani, R. and Avagyan, A. (eds.) Mitigation of climate change in agriculture Series 9 - Towards climate-responsible peatlands management: 38-40 Joosten 2014

    [10]  Lamers L P M, Vile M, Grootjans A P, Acreman M C, Diggelen R v, Evans M G, Richardson C J, Rochefort L, Kooijman A M, Roelofs J G M, Smolders A J P (2014) Ecological restoration of rich fens in Europe and North America: from trial and error to an evidence-based approach. Biological Reviews, 22.