Über Moore

Moore sind faszinierende Ökosysteme die sich selbst regulieren und organisieren und es so schaffen sich aus der Landschaft zu heben. Sie sind geprägt durch Wasser, Pflanzen und Torf. Das Zusammenspiel dieser drei Komponenten ermöglicht eine vielfältige Anpassung and ihre Umwelt.

Was ist ein Moor?

Was sind Moore? – Für diese Frage findet der Mensch je nach der Perspektive aus der er sich mit Mooren beschäftigt unterschiedliche Antworten.

Für den Landwirt sind Moore an vielen Orten relativ produktive Standorte, die auch Probleme bereiten können. Manche Schriftsteller beschreiben Moore als unheimliche Orte. Für Botaniker bestehen Moore aus bestimmte Pflanzengesellschaften, für Naturschützer sind nasse Moore die letzten echten Wildnisgebiete und bieten wertvolle und einmalige Lebensräume. Für Bodenkundler sind Moore Gebiete mit mindestens 30 cm organischer Auflage, welche einen Kohlenstoffgehalt über 30 % hat. Für Moorkundler kommt zusätzlich noch der Aspekt hinzu, dass Moore nur unter wassergesättigten Bedingungen moortypische Funktionen in der Landschaft erfüllen und langfristig bestehen können.

Kieshofer Moor
bei Greifswald

Wie funktionieren Moore

In Mooren wachsen Pflanzen auf, die nach Absterben nur unvollständig abgebaut werden. Die Abbauprozesse sind gehemmt, da durch Wassersättigung nicht genügend Sauerstoff für diese Prozesse zur Verfügung steht. In einigen kalten Regionen hindert auch schnell einsetzender Frost nach sehr kurzen Vegetationsperioden vor einem Abbau. Dieses nicht abgebaute Pflanzenmaterial bildet Torf.

Moore brauchen Wasser und besitzen zum Teil Mechanismen, um sich selbst günstige (nasse) Wachstumsbedingungen zu schaffen. Das Paradox, dass ein Moor hoch und nass sein kann und die Mechanismen, die dazu führen können, werden in Joosten [2] beschrieben.

Mooratmung (Mooroszillation) ist ein Beispiel für diese Mechanismen. Hier hebt sich bei viel Wasserdargebot die Mooroberfläche, bei wenig Wasser senkt sie sich. Dadurch werden Wasserspiegelschwankungen relativ ausgeglichen – die Torfe bleiben auch bei geringeren Wasserständen nass. Geringzersetzte Torfe mit großen Poren können besonders stark oszillieren – diese finden sich z.B. in Durchströmungsmooren. Aufschwimmende Vegetation begünstigen die Mooratmung mit ihren zellulären Gasbläschen oder oberflächennahen Wurzeln und Rhizomen.

Moortypen

Moore sind divers! Unterschiede und Gemeinsamkeiten können durch Klassifizierungen verdeutlicht werden.

Ökologische Moortypen können an Hand des pH-Wertes und der Nährstoffverfügbarkeit klassifiziert werden und sind charakteristisch für ihre die Artenzusammensetzung.

Moore werden durch Wasser verschiedener Qualitäten gespeist. Wasser, welches als Regenwasser leicht sauer und nährstoffarm ist, wird durch die Eigenschaften des Einzugsgebiets (z.B. Ausgangsgestein) und die dortige Verweildauer (bestimmt u.a. durch Relief) beeinflusst. Für Mitteleuropa hat Succow (1988) die Moore mittels Stickstofftrophie und pH-Wert in 5 Gruppen eingeteilt und die daran angepasste natürliche Vegetation beschrieben.

Tabelle 1: Ökologische Moortypen Mitteleuropas nach Succow [2]

Moortyp Trophie pH Torfbildende Offenvegetation
(Sauer-) Armmoor oligotroph sauer Zwergstrauch-Wollgras-Torfmoosrasen
Sauer-Zwischenmoor mesotroph sauer Torfmoos-Seggenriede
Basen-Zwischenmoor mesotroph Schwach sauer Braunmoos-Seggenriede
Kalk-Zwischenmoor mesotroph alkalisch Braunmoos-Kopfriedriede
Reichmoor eutroph Sauer – alkalisch Röhrichte, Großseggenriede, Erlenbrüche

Begriffserklärung: oligotroph – nährstoffarm; mesotroph – mittlere Nährstoffgehalte,
eutroph - nährstoffreich


Hydrogenetische Moortypen unterscheiden sich in der Rolle des Wassers bei der Torfbildung und in der hydrologischen Rolle des Moores, die es in der Landschaft einnimmt. Diese Einteilung kann bei Fragen über Moormanagement und Moorfunktionen hilfreich sein.

Die Begriffe Hochmoor und Niedermoor werden mit unterschiedlichen Definitionen genutzt. Hochmoore waren traditionell nach-oben-gewölbte Moore, die meist nach Torfabbau und Entwässerung noch landwirtschaftlich genutzt werden konnten. Niedermoore befanden sich hingegen in Senken und wurden nach Torfabbau zu offenen Wasserflächen. MoorWissen verwendet die Begriffe folgendermaßen:

  • Hochmoore = Ombrogene Moore: werden nur durch Niederschlagswasser gespeist.
  • Niedermoore = Geogene Moore: werden zusätzlich mit Wasser gespeist, welches Kontakt zum mineralischen Untergrund oder Substrat hatte (Oberflächen-, Grund- oder Meerwasser).

Eine detailliertere Aufteilung und Beschreibung hydrogenetischer Moortypen finden sich in Succow & Joosten [4]) und in Joosten und Clarke [3]

Tabelle 2: Vereinfachte Darstellung hydrogenetischer Moortypen nach Joosten und Clarke (2002)

Moortyp Bildungsbedingungen Effekt auf Landschaftswasserspeicher
Verlandungsmoor offenen Wasserflächen Gering. Die Oberfläche liegt horizontal und Wasserbewegungen finden v.a. vertikal statt. Das Aufwachsen ist durch den Wasserspiegel begrenzt.
Versumpfungsmoor (z.B. Kesselmoor) langsam steigender Wasserspiegel auf vormals trockenen Flächen
Überflutungsmoor (z.B. Küstenüberflutungsmoor) periodische Überflutung
Durchströmungsmoor hohes und gleichmäßiges Wasserangebot Durch die geneigte Oberfläche findet die Wasserbewegung v.a. horizontal statt. Das Wasser kann durch Vegetation und Torf gestaut werden und somit zu einem Wasserspiegelanstieg in Moor und Umgebung führen und über den ursprünglichen Wasserspiegel hinauswachsen.
Überrieselungsmoor (z.B. Deckenregenmoor, Hangmoor) dauerhaft hohes Wasserdargebot oder geringe Wasserverluste (durch Evapotranspiration)
Akrotelmmoor (Regenmoor) häufig genügend Wasserangebot.


Ökosystemleistungen

Das menschliche Wohlergehen wird in vielfältiger Weise von den Ökosystemen der Erde und deren Funktionen beeinflusst. Ökosystemleistungen sind die Effekte der Ökosysteme, die durch den einzelnen Menschen oder durch die Gesellschaft wertgeschätzt werden, also Nutzen stiften. Welche Effekte wertgeschätzt werden, hängt immer von der Perspektive der Nutzenden ab. Ökosysteme werden auch nutzungsunabhängig wertgeschätzt, z.B. für ihre Existenz an sich oder für die Möglichkeit, diese als Vermächtnis an zukünftige Generationen weitergeben zu können [5].

Im Folgenden werden die vielfältigen Funktionen der Moore nach Joosten und Clarke [3] dargestellt.
Funktion Beschreibung
Materielle lebenserhaltende Funktionen
tragen zu Bedingungen bei, die das menschliche Leben fördern und dem Erhalt der physischen Gesundheit dienen.
Produktionsfunktion Bereitstellung von Ressourcen, z.B. Nahrung, Wasser, Rohstoffe.
Trägerfunktion Bereitstellung von Raum, z.B. zum Wohnen, für landwirtschaftliche Nutzung oder für Infrastruktur.
Regulationsfunktion Regulation von essentiellen ökologischen Prozessen, die z.B. Klima, Wasser, Boden, Ökologie und Genetik beeinflussen.
Nichtmaterielle lebenserhaltende Funktionen
dienen insbesondere der Erhaltung des geistigen Wohlergehens.
Proxy-Funktionen Moore sind Orte der Erholung, z.B. durch einen Spaziergang durchs Moor; Orte zur Pflege von sozialen Kontakten und Orte, wo ästhetischen Eigenheiten, z.B. spezielle Gerüche oder Geschmäcke erfahren werden können.
Identitätsfunktionen Moore können Identität stiften, z.B. indem sie Orte für spirituelle Erfahrungen sind.
Zukünftige Funktionen
betreffen zukünftige Generationen.
Transformationsfunktion Funktionen, die erst durch Änderung der Präferenzen und Werte zukünftiger Generationen wertvoll werden.
Optionsfunktion Funktion, dass zukünftige Menschen das Ökosystem Moor nutzen können – dient als Versicherung oder Erbe (z.B. war der Nutzen der Moore als Kohlenstoffspeicher früher sicher unbekannt).

In Anlehnung an diese Ökosystemleistungen können Moore auf unterschiedlichste Weisen genutzt werden. mehr…


Weitere Informationen

Quellen

[1]   Tanneberger, F. et al. (2017) The peatland map of Europe. Mires and Peat, 19(22), 1-17.
DOI: 10.19189/MaP.2016.OMB.264

[2]   Joosten, H. (1993): Denken wie ein Hochmoor: Hydrologische Selbstregulation von Hochmooren und deren Bedeutung für Wiedervernässung und Restauration. Telma 23, S. 95-115

[3]   Joosten, H.; Clarke, C. (2002): Wise use of mires and peatlands - Background and principles including a framework for decision-making. International Mire Conservation Group / International Peat Society, 304 p. Succow, M. (1988): Landschaftsökologische Moorkunde. Gustav Fischer Verlag, Jena, 340 S.

[4]   Succow, M.; Joosten, H. (Hrsg.) (2001): Landschaftsökologische Moorkunde.
2. Auflage. Schweizerbart, Stuttgart. 622 S.

[5]   Ring, I. et al. (2015): Methodische Grundlagen zu Ökosystemleistungen und ökonomischer Bewertung. In Hartje, V. et al. (Hrsg.) Naturkapital Deutschland – TEEB DE: Naturkapital und Klimapolitik – Synergien und Konflikte. Technische Universität Berlin, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ. Berlin, Leipzig