Probleme & Hemmnisse bei der Umsetzung von Paludikultur

Mit dem heutigen Wissen über ökologische Prozesse und globale Herausforderungen wie den Klimawandel stellt Paludikultur die einzige zukunftsfähige Nutzungsform von Moorstandorten dar. Dennoch ist eine Umsetzung in Deutschland bisher auf traditionell nasse Nutzungsformen, die Pflege von naturschutzrelevanten Flächen und die Anlage von einzelnen Erprobungs- und Demonstrationsflächen beschränkt. Die Verantwortung liegt jedoch nicht beim einzelnen Landwirt, sondern bei der Gesellschaft.

Durch eine großflächige Umstellung auf Paludikultur könnte die Landwirtschaft einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. Bisher verhindern die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch eine solche Umsetzung. Es gibt folgende Hemmnisse und Lösungsansätze zur Verbesserung der Rahmenbedingungen:

Falsche Anreize durch gesellschaftliche Transferzahlungen Gesellschaftliche Transferzahlungen unterstützen über Agrarpolitik und Energieförderung wie EU-Direktzahlungen (Flächenprämien), Agrar-Umwelt-Programme (z.B. Ökolandbau-Förderung), Investitionsbeihilfen (z.B. Stallneubauten) und das Erneuerbare-Energien-Gesetz, die Fortführung herkömmlicher, entwässerungsbasierter Moornutzung und verhindern die Etablierung standortangepasster Alternativen.
Fehlende Regelungsinstrumente Es fehlen Regelungsinstrumente, die die hohen volkswirtschaftlichen Schadenskosten torfzehrender Moornutzung berücksichtigen. Die Anpassung des Ordnungsrechts (Gute fachliche Praxis, Cross Compliance) mit Vorgaben zu Mindestwasserständen auf organischen Böden würde die Umstellung auf Paludikultur großflächig befördern.
Teilweise fehlende Anerkennung als landwirtschaftliche Nutzung Die Anerkennung von Paludikultur als landwirtschaftliche Nutzung und der Anspruch auf agrarpolitische Beihilfen ist noch nicht für alle Verfahren geklärt.
Einschränkungen durch Vorgaben zum Grünlanderhalt Ausnahmen zum Grünlanderhalt (Greeningprämie, Grünlanderhaltungsgesetze) sind erforderlich, um die Umwandlung von Moorgrünland in Paludikultur-Dauerkulturen nicht zu behindern.
Hohen Investitionskosten und fehlende Anreizinstrumente Es fehlen Anreize, die die hohen Investitionskosten (Etablierung, Spezialtechnik) und die Risiken einer Umstellung auf Paludikultur kompensieren.
Fehlende Honorierung der Leistungen für Klima-, Boden- und Gewässerschutz Eine Honorierung der Leistungen für Klima-, Boden- und Gewässerschutz ist z.B. über Agrar-Umwelt- oder Agrar-Klima-Programme denkbar, zur Gewährleistung einer Planungssicherheit sind aber verlängerte Laufzeiten erforderlich.
Fehlende Pilotbetriebe Sowohl politische Entscheidungsträger als auch Landwirte fragen nach ökonomischen und ökologischen Erfahrungen mit Paludikultur, die jedoch nur bei langfristigen und großmaßstäbigen Erprobungen gesammelt und anschaulich vermittelt werden können. Hierfür sind eine über die ersten Erfahrungen von Versuchsflächen hinausgehende Einrichtung von Pilotbetrieben und eine umfassende, wissenschaftliche Begleitung erforderlich.
Betroffenheit verschiedener Akteure Paludikultur erfordert die Anhebung der Wasserstände in größeren, hydrologischen Gebieten, die in aller Regel auf eine Vielzahl von Eigentümern aufgeteilt sind. Für eine großmaßstäbige Umsetzung sind planerische Instrumente wie Flurneuordnungsverfahren nutzbar. Eine Etablierung von Paludikultur auf Einzelflächen, ohne unerwünschte Vernässungen benachbarter Flächen, ist nur mit erheblichem Aufwand möglich und nur bei Spezialkulturen zu rechtfertigen.
Fehlende gesellschaftliche Unterstützung Eine dauerhafte Sicherung der gesamten Breite von Ökosystemleistungen von Moorböden durch Wiedervernässung kann nur durch breite gesellschaftliche Unterstützung geschehen. Dies kann in Dialog-Prozessen mit allen relevanten Interessengruppen erarbeitet werden, um gemeinsam regional angepasste Lösungen zu finden.

Ergänzt nach Wichmann, S. (2016): Paludikultur – ausgewogene Sicherung der Ökosystemleistungen genutzter Moore. In: Naturkapital Deutschland TEEB-DE (2016) Ökosystemleistungen in ländlichen Räumen – Grundlage für menschliches Wohlergehen und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Hrsg. von Christina von Haaren & Christian Albert. Leibniz Universität Hannover, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung –UFZ. Hannover, Leipzig, 134-137.

Weitere Informationen

[1]   Abel et al. (2016): Diskussionspapier zur guten fachlichen Praxis der landwirtschaftlichen
Moorbodennutzung. Telma 46: 155-174.

[2]   Czybulka & Kölsch (2016): Rechtliche Rahmenbedingungen. In Wichtmann et al. (Hrsg.) 2016:
Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Schweizerbart, Stuttgart, S. 143-149.

[3]   Kölsch et al. (2016): Agrarpolitische Rahmenbedingungen. In Wichtmann et al. (Hrsg.) 2016:
Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Schweizerbart, Stuttgart, S. 149-152.

[4]   Rühs et al. (2016): Akzeptanz und Implementierung auf der Erzeugerebne. In Wichtmann et al. (Hrsg.) 2016:
Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Schweizerbart, Stuttgart, S. 166-171.

[5]   Wichtmann et al. (Hrsg.) 2016: Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore. Schweizerbart, Stuttgart.