Nasswiesen

Kurzgefasst

Wasserstand: im Sommer 0 –20 cm unter Flur, im Winter Überstau (Was­serstufe: 4+/5+)
Etablierung: meist durch natürliche Änderung der Artenzusammensetzung nach Anhebung der Wasserstände; An­saat auch möglich
Ertrag: 2–12 t Trockenmasse je Hektar und Jahr
Ernte: jährlich, 1–2 Schnitte
Verwertung: Energiebiomasse (Bren­nstoff, Substrat für Biogasanlagen), Futter, Einstreu
Emissionsminderung: ca. 18 t CO2-Äq. je Hektar und Jahr (im Vergleich zu nährstoffreichen, entwässerten Nieder­mooren, ohne Emissionsminderung durch Ersatz fossiler Rohstoffe).

Auf feuchten bis nassen, nährstoffreichen, sauerstoffarmen Nieder- moorböden bilden hochwüchsige Seggen produktive Dominanzbestände aus. Seggen bilden eine sehr feste Grasnarbe, wodurch Seggenbestände auch bei höheren Wasserständen befahrbar sind. Des Weiteren tolerieren sie einen Überstau. Nasswiesen weisen eine hohe Artenvielfalt auf und sind naturschutzfachlich wertvoll. Beispiele für geschützte und gefährdete Arten sind Steifblättriges Knabenkraut, Kuckucks-Lichtnelke, Teufelsabbiss, sowie Bekassine und Wachtelkönig.

Flyer "Nasswiesen" (pdf | 0,6 MB)

Umsetzung


Seggen-Wiesen bei Malchin

Nasswiesen werden seit vielen Jahrhunderten vom Menschen genutzt. Die Nutzung von Heu oder Silage als Futter, Einstreu oder als Energiebiomasse ist auch heute noch vereinzelt in Deutschland etabliert. Dies ist meistens weniger ökonomisch als vielmehr landschaftspflegerisch motiviert.

Beispiele
  • Thermische Verwertung von Seggen-Heu im Heizwerk Malchin Agrotherm GmbH, Mecklenburg-Vorpommern
  • Trockenfermentation von Feuchtgrünlandmähgut (zweischürig) zur Wärme- und Stromerzeugung BUND-Hof Wendbüdel, Niedersachsen
  • Streunutzung mit anschließender Verwertung in einer Biogasanlage Mesecke GbR Prenzlau, Brandenburg
  • Beweidung mit Wasserbüffeln Gut Darß GmbH & Co. KG, Mecklenburg-Vorpommern

Hemnisse

Bei der Bewirtschaftung der Entwässerungsanlagen ist ein Umdenken gefordert. Wasserüberschüsse aus dem Winterhalbjahr müssen zurückgehalten werden, um eine ausreichende Wasserversorgung im Sommer sicherzustellen. Die Erntetechnik muss an höhere Wasserstände angepasst und Verwertungsstrukturen für die Biomasse müssen aufgebaut werden.

Weitere Informationen

[1]   Flyer "Nasswiesen" (pdf | 0,6 MB)

[2]   Heizwerk Malchin: www.niedermoor-nutzen.de

[3]   Dahms, T. et al. 2017: Halmgutartige Festbrennstoffe aus nassen Mooren. Universität Greifswald

[4]   Schröder, C., Schulze, P., Luthard, V. & Zeitz, J. 2015: DSS-TORBOS Steckbriefe für Niedermoor-
bewirtschaftung bei unterschiedlichen Wasserverhältnissen: www.dss-torbos.de

[5]   Wichtmann, W., Schröder, C. & Joosten, H. (Hrsg.) 2016: Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore.
Schweizerbart, Stuttgart, 272 S.