Wasserbüffel

Kurzgefasst

Wasserstand: im Sommer 0–20 cm unter Flur, im Winter Überstau (Wasserstufe: 4+/5+)
Besatzstärke: 0,6–1,6 GVE je Hektar
Verwertung: Landschaftspflege, Milch- und Fleischproduktion, Mutterkuhhaltung
Emissionsminderung: ca. 20 t CO2-Äq. je Hektar und Jahr (im Vergleich zu nährstoffreichem, entwässerten Niedermoor)

Wasserbüffel werden in erster Linie im Rahmen der Landschaftspflege eingesetzt. Sie besitzen eine besondere Klauenphysiologie, wodurch sie auch sumpfige, ganzjährig nasse Standorte begehen können. Sie zeichnen sich durch hohe Anpassungsfähigkeit an verschiedene Klima- und Umweltbedingungen aus, sind leichtkalbig und erreichen ein Gewicht von 600 – 800 kg, ausgewachsene Bullen 800 – 1.000 kg.

Weitere Robustrassen, die sich für die extensive Niedermoorbewirtschaftung eignen, sind z. B. Aberdeen Angus, Heckrind, Fjäll-Rind, Galloway, Hinterwälder oder Schottisches Hochlandrind. Diese Rassen zeichnen sich durch ein geringes Gewicht (ca. 400 –500 kg), Anspruchslosigkeit und Robustheit aus.

Flyer "Steckbrief Wasserbüffel" (pdf | 0,4 MB)

Potential

Die Beweidung mit Wasserbüffeln oder anderen Robustrassen ermöglicht es, ein traditionelles Nutzungsverfahren sowie die Kulturlandschaft zu erhalten. Durch den selektiven Fraß und Trittschäden entsteht eine erhöhte Strukturvielfalt der Vegetation und des Bodens, was positive Auswirkungen auf die Biodiversität hat. Durch den Verbiss von Schilf und Gehölzen werden Wasserbüffel erfolgreich in der Landschaftspflege eingesetzt, um nasse Standorte offen zu halten. Zahlreiche Vogelarten nutzen die Weiden als Brut- oder Rastplatz und als Nahrungsge- biet.

Standorte


Wasserbüffelkalb

Standorte
Nasse Standorte (0–20 cm unter Flur) können mit Wasserbüffeln beweidet werden, sofern trockene Mineralbodenbereiche angrenzen, wo sich die Tiere zurückziehen können. Ein Witterungsschutz vor Kälte, Nässe, Wind und Hitze muss vorhanden sein. Die Tiere stellen geringe Ansprüche an Futter und Haltung. Sie können theoretisch ganzjährig draußen gehalten werden. Da sie im Winter zugefüttert werden müssen, findet die Winterhaltung meist auf trockeneren, hofnahen Flächen statt. Für die extensive Bewirtschaftung von feuchtem und nassem Niedermoorgrünland (20 –45 cm unter Flur) eignen sich auch andere Robustrassen.

Herdenmanagement
Die Herdengröße von Wasserbüffeln richtet sich nach den Standortbedingungen (Flächengröße, Bodenstruktur) sowie den technischen Möglichkeiten für die Zufütterung im Winter. Aufgrund der langen Zwischenkalbzeiten und einer schwierigen Brunsterkennung werden Deckbullen eingesetzt. Als Herdengröße werden (20 –) 30 Tiere und als Besatzstärke 0,6 – 1,2 Großvieheinheiten (GVE) je ha für Wasserbüffel bzw. 0,8 – 1,4 GVE je ha für Extensivrinder empfohlen. Hieraus resultiert eine Weidefläche von ca. 30 ha. Die große Spanne der Besatzstärke ist abhängig von Standort und Pflegeziel. Wasserbüffel selektieren Futter nach Energiewert. Daher gilt: je ärmer die Pflanzen, desto größer muss der Selektionsspielraum sein.

Auf eine Zufütterung von Kraftfutter sollte verzichtet werden, um keine Nährstoffe in die Pflegeflächen einzutragen und die Futterkosten so gering zu halten.

Weidemanagement


Wasserbüffel

Management
Wasserbüffel können im Unterschied zu den extensiven Rinderrassen auch energieärmere Bestände verwerten. Wasserbüffel auf dem Gut Darß verzeichneten z. B. in der Beweidungsperiode Zuwächse von 840 g pro Tag und Kalb.

Bei der Beweidung mit Robustrassen ist eine Lenkung der Beweidung wichtig. Der Futterwert von Nasswiesen sinkt im Jahresverlauf rasch ab und es ist wichtig, diese Flächen zum idealen Zeitpunkt zu beweiden. Eine Auszäunung von Flächen mit besseren Futterwerten ab Juni, kann das Futterangebot künstlich verknappen und die Beweidung der nasseren Bereiche erzwingen (Teilweide). Ansonsten werden diese Bereiche erst zu spät besucht, wenn der Futterwert bereits zu schlecht ist. Infolge der Selektion durch die Tiere können sich unerwünschte Arten (z. B. Binsen, Ampfer) ausbreiten, welche gegebenenfalls durch eine Nachmahd eingedämmt werden müssen. Außerdem muss auf die Ausbreitung von Giftpflanzen (Sumpfschachtelhalm, Wasserschierling und Bittersüßer Nachtschatten) geachtet werden.

Tiergesundheit
Wasserbüffel sind robuster gegenüber Krankheiten als z. B. herkömmliche Rinderrassen. Feuchtstandorte können Ausgang für Klauenerkran- kungen sein. Die Klauen von extensiven Rinderrassen sollten regelmäßig untersucht und gepflegt werden. Um auf den organischen Standorten eine ausreichende Mineralstoffversorgung der Tiere sicherzustellen, sollten Salzlecken mit Mineralzusatz oder Mineralleckeimer aufgestellt werden.

Verwertung


Wasserbüffelweide

Verwertung
Wasserbüffel können sowohl für die Milch- als auch Fleischproduktion genutzt werden. Das Fleisch der Wasserbüffel ist hochwertig, ähnelt im Geschmack Wild und ist cholesterin- und fettarm.

Die extensive Beweidung durch Rinder findet überwiegend durch Mutterkuhhaltung mit der Anzucht von einem Kalb pro Jahr und Mutterkuh statt. Die leichteren Färsen sind auch für nassere Flächen geeignet.

Wirtschaftlichkeit
Die Wirtschaftlichkeit hängt von vielen Faktoren ab. Maßgeblich sind dabei die Möglichkeiten für die Direktvermarktung in der Umgebung bzw. der Marktpreis sowie das Fruchtbarkeitsmanagement.
Bei der Wasserbüffelhaltung im Vollweidesystem kann je nach Preisniveau und Zwischenkalbezeit ein Deckungsbeitrag zwischen 537 und 986 Euro je Kuh erzielt werden.
Die ganzjährige Freilandhaltung ist im Vergleich zur winterlichen Stallhaltung 25 –30 % kostengünstiger und weniger aufwendig. Zuwachsleistungen sind stark abhängig von der Futterqualität.
Weiterhin hat die Vergütung der erbrachten Pflegeleistung durch Agrarumweltprogramme bzw. Pflegeverträge einen entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit.

Umsetzung


Wasserbüffelkalb

Stand der Umsetzung & Forschungsprojekte
Weidesysteme in Feuchtgebieten sind weniger ökonomisch, sondern meist landschaftspflegerisch motiviert und somit in starkem Maß von der Vergütung der erbrachten Pflegeleistung abhängig. Wasserbüffel werden in Deutschland bereits häufig als Landschaftspfleger eingesetzt, oft handelt es sich dabei um kleine Herden in Naturschutzgebieten mit nassen Moorstandorten. Größere Herden gibt es z. B. im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft (Gut Darß GmbH und Co. KG). Das Fleisch wird im eigenen Hofladen verkauft.

Hemmnisse
Fruchtbarkeitsmanagement und ein hochpreisiger Absatz sind die größten Herausforderungen bei der Wasserbüffelhaltung. Aufgrund der geringen Anzahl an Schlachttieren, ist es schwierig, auch für die weniger wertvollen Fleischteile eine Vermarktung zu entwickeln. Des Weiteren erfordert die Schlachtung einige Besonderheiten (dicke Schädelplatte, lange Abhängzeit).

Weitere Informationen

[1]   Schröder, C., Schulze, P., Luthard, V. & Zeitz, J. 2015: DSS-TORBOS Steckbriefe
für Niedermoorbewirtschaftung bei unterschiedlichen Wasserverhältnissen: www.dss-torbos.de

[2]   Wichtmann, W., Schröder, C. & Joosten, H. (Hrsg.) 2016: Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore.
Schweizerbart, Stuttgart, 272 Seiten

[3]   Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2005) Artgemäße Haltung von Wasserbüffeln.
Merkblatt Nr. 102

[4]   Flyer "Steckbrief Wasserbüffel" (pdf | 0,4 MB)