Torfmooskultivierung

Torfmooskultivierung auf Torfböden ist Paludikultur auf Hochmoorstandorten. Paludikultur („palus“ – lat. „Sumpf, Morast“) ist die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Hoch- und Niedermoore.

Was ist Torfmooskultivierung?

Torfmooskultivierung ist der Anbau von Torfmoosen (Sphagnum) zur Produktion und Ernte von Torfmoos-Biomasse. Dabei wird Torfmoos als neue landwirtschaftliche Kulturpflanze etabliert, um einen nachwachsenden Rohstoff zur Herstellung von hochwertigen Kultursubstraten für den Gartenbau zu erzeugen.

Potentielle Kulturflächen für den Anbau von Torfmoosen auf Torfböden sind degradierte Moorstandorte, wie z.B. abgetorfte oder als Grünland genutzte Hochmoore. Für die Torfmooskultivierung auf Schwimmmatten sind Wasserflächen überstauter degradierter Hochmoorflächen sowie Tagebauseen (z.B. nach Braunkohleabbau) möglich.

Torfmooskultivierung bietet viele Vorteile:

  • Klima: Torferhalt und Minderung der CO2-Freisetzung durch Wiedervernässung entwässerter Moore
  • Umwelt: Minderung des Nährstoffaustrags in Grund- und Oberflächenwasser (bei landwirtschaftlicher Nutzung), Reinitiierung von Wasserreinigung und Wasserrückhalt in Mooren, Kühlung der Landschaft durch erhöhte Verdunstung
  • Natur: Lebensraum für seltene und gefährdete Arten von Torfmoosmooren
  • Landschaft: Erhalt von Offenlandschaften
  • Ökonomie: Nachwachsende Alternativen zu fossilen Rohstoffen, Arbeitsplätze und Einkommensalternativen im ländlichen Raum, regionale Wertschöpfung

Hintergrundinformationen

Torfmooskultivierung auf Torfböden ist Paludikultur auf Hochmoorstandorten.

Ausgangssituation
Jeder verbraucht täglich Torf: als Blumenerde und vor allem durch den Verzehr von Obst und Gemüse. Torf ist der wichtigste und bislang unersetzbare Rohstoff zur Herstellung von hochwertigen Substraten für den Gartenbau. Er wird nach kurzer Nutzung als CO2 in die Atmosphäre freigesetzt. mehr...

Anwendungsbereiche
Durch ihre herausragenden Eigenschaften wie z.B. niedriger pH-Wert, geringer Nähr­stoff­gehalt, hohe Wieder­benetz­barkeit, hohe Wasserspeicher- und Luft­kapazität, geringes Volumen­gewicht, geringe Stick­stoff­immobilisierung können Torfmoos vielfältig eingesetzt werden. mehr...

Projekte
Seit 2004 wird in bisher fünf Projekten an der Universität Greifswald die Torfmoos­kulti­vierung auf degradierten Hochmoorflächen untersucht. Ziel ist es, die derzeitigen Nut­zungs­formen (z.B. Mais­anbau, Grünland, Torfabbau) durch eine nachhaltige, nasse Be­wirt­schaftung zu ersetzen. mehr...

Internationales

Sphagnum farming Workshop
2011 in Kanada

International gibt es zahlreiche Aktivitäten zur Etablierung und Verwendung von Torfmoosen sowie Restauration degradierter Hochmoore. mehr...

Info-Tafeln Torfmooskultivierung

Infotafel Ersatzlebensraum (pdf | 4MB)
Infotafel Klima (pdf | 4MB)
Infotafel Substrate (pdf | 3MB)
Infotafel Technik (pdf | 3MB)
Infotafel Torfmooskultivierung (pdf | 2MB)
Infotafel Wissen schaffen (pdf | 4MB)

Ausgezeichneter Ort

Die Forschung zur Torfmooskultivierung an der Universität Greifswald gehört zu den 100 Preisträgern des bundesweiten Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ 2014. Der Wettbewerb hatte das Motto „Innovationen querfeldein – Ländliche Räume neu gedacht“.

Die Forschung wird in Kooperation mit dem Torfwerk Moorkultur Ramsloh Werner Koch GmbH & Co. KG und weiteren Partnern durchgeführt. Am 20. März 2015 fand die Auszeichnung auf der Versuchsfläche in Hankhausen (nördlich von Oldenburg, Niedersachsen) statt.