Filterfunktion der Moore soll durch Forschungsprojekt reaktiviert werden (Artikel der DBU)

DBU-Generalsekretär Brickwedde übergab heute Bewilligungsschreiben für Renaturierung von Nieder­mooren - Fördersumme 740.000 Euro.

Greifswald, 24.05.2002

Übergabe des Bewilligungsschreibens im Greifswalder Rathaus

Für ein dreijähriges Forschungsprojekt zur Niedermoorrenaturierung übergab heute im Greifswalder Rathaus Fritz Brickwedde, General­sekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, dem Rektor der Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald, Prof. Dr. Hans-Robert Metelmann, für das Bo­tan­ische Institut ein Bewilligungs­schreiben über knapp 740.000 Euro. Ziel ist die praxis­orientierte Ent­wicklung eines Produktionsverfahrens für den Anbau von Erlen als alter­native Landnutzung bei gleich­zeitiger Verringerung möglicher um­welt­schädigender Effekte, wie sie heute durch die Moore auf­treten. Brickwedde: "Erstmals werden Aspekte der Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit der Waldnutzung auf Mooren verbunden und das Aufforstungspotenzial von wiedervernässten Nieder­mooren ermittelt."

Durch Jahrzehnte lange Nutzung als Grünland hätten sich die Niedermoore stark verändert, betonte Brickwedde in Anwesenheit von Oberbürgermeister Dr. Arno König. In der norddeutschen Tiefebene nähmen sie mehr als 800.000 Hektar ein, allein 300.000 davon lägen in Ostdeutschland. Heute be­lasteten sie die Umwelt etwa durch Verdichtung des Oberbodens, eine Einschränkung der Wasser­rückhalte- und Speicherfunktion oder das Freisetzen des klimaschädigenden Kohlendioxids. Gleich­zeitig verursachten sie dadurch auch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten. Daher bestehe ein dringen­der Bedarf an ökologisch verträglichen Nutzungskonzepten, aber auch an ökonomisch sinn­vollen Landnutzungsalternativen.

Durch den Anbau der heimischen Schwarzerle und eine Wiedervernässung könne das derzeit noch schmale Spektrum umweltverträglicher, wirtschaftlich sinnvoller Nutzungsalternativen erweitert werden. Die Schwarzerle wachse in nassen, nährstoffreichen und potenziell torfbildenden Nieder­mooren und besitze dort ein großes, bisher kaum ausgeschöpftes Ertragspotenzial.

Zu klären sei z.B., wie nass die Erlenanbauflächen sein könnten, damit eine die Umwelt belastende Stoff­freisetzung unterbleibe beziehungsweise durch die Bildung neuer Torfe Stoffe gebunden werden und damit eine Entsorgung stattfinde. Zur Erprobung und Demonstration verschiedener Erlen­anbau­ver­fahren werde eine Pilotfläche aufgeforstet. In enger Kooperation zwischen Wissen­schaftlern und Praktikern aus Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft würden Eignungskarten und Leitfäden zur Erlen­aufforstung erstellt, um die Forschungsergebnisse anschließend auf grosser Fläche anzu­wen­den. Auch das Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete, Malchin, und das Greifswalder Institut für Dauerhaft Umweltgerechte Entwicklung von Naturräumen der Erde e.V. (DUENE) sind an dem Pro­jekt beteiligt.