Module

1 - Projektkoordination

Die Projektkoordination übernimmt die Aufgaben der technischen Koordination des Verbundprojektes, der Sicherstellung des Projektfortschritts und des Wissensaustausches zwischen den Projektpartnern sowie der Kommunikation des Gesamtvorhabens nach außen. Die erfolgreiche Etablierung des innovativen Landnutzungskonzeptes Paludikultur bedarf einer Vielzahl von Fachleuten aus Forschung und Praxis. Für die erfolgreiche Umsetzung des Konzeptes in der Region Vorpommern ist die Vernetzung der unterschiedlichen Wissenschaftsbereiche von besonderer Rolle. Naturwissenschaftler, Regionalwissenschaftler, Rechtswissenschaftler, Ökonomen und Techniker müssen ihre Forschung auf die Belange und Fragen der Praxis ausrichten, die Ergebnisse in die Praxis transferiert werden. Die erfolgreiche Zusammenarbeit unterschiedlicher Wissenschaftsbereichen und der Praxis verspricht dabei nicht nur Synergien, sondern ist für die Umsetzung der nassen Bewirtschaftung wiedervernässter Moore unabdingbar. Um diese Synergien zu ermöglichen, ist ein intensiver Austausch innerhalb des Projektes, aber auch mit Stakeholdern nach außen wichtig. Hierfür werden interne und externe Projektreffen organisiert, es erscheint regelmäßig ein Newsletter und es wird eine Projekthomepage aufgebaut und gepflegt. Die Zusammenarbeit der Partner wird über die Einbindung eines Projektmanagementools auf der Homepage unterstützt und das Verbundprojekt durch einer Stärken- und Schwächen-Analyse evaluiert.

2 - Infrastruktur & Rahmenbedingungen

In Modul 2 werden die sozioökonomische Ausgangssituation in Vorpommern und grundlegenden Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Paludikultur analysiert. Landnutzungsentscheidungen werden in hohem Maße von der Ausgestaltung der agrarpoltischen, energiepolitischen und juristischen Rahmenbedingungen beeinflusst. Um die Umsetzung von Paludikultur auch außerhalb von kleinen Pilotflächen zu ermöglichen, müssen diese Rahmenbedingungen aktiv gestaltet werden. Hierfür erfolgen eine Analyse der aktuellen Situation, eine Identifizierung von Problemen und die Erarbeitung konkreter Lösungsmöglichkeiten. Die regionalökonomischen Effekte einer Umstellung auf nasse Moor-bewirtschaftung werden für die Modellregion durch die Entwicklung von Szenarien untersucht.

3 - Geschichte, Ethik & Diskurs

Moore galten und gelten als unüberwindliche, sagenumwobene Orte, aber auch als in Besitz zu nehmender Lebensraum. In neuerer Zeit, nach tiefer Entwässerung, sind sie zu Wirtschaftsflächen geworden. Nur ein verschwindend kleiner Anteil der Moore ist noch intakt und ist damit Refugium letzter Wildnis. Moore werfen viele Fragen auf, lösen bei manchen Menschen Unbehagen aus und faszinieren zugleich. Die Vielfalt und der Wandel der Wahrnehmung der Moore im Verlaufe der Jahrhunderte sowie der Zuwachs des Wissens über dieses Ökosystem sind immens. Ihre vielfältigen ökologischen und klimarelevanten Funktionen haben in heutiger Zeit große Bedeutung. In diesem Modul werden diese verschiedenen Wahrnehmungen seit dem 17. Jh. mentalitätsgeschichtlich aufgearbeitet (AP 3/1) sowie umweltethische Begründungen des Moorschutzes einschließlich der Paludikultur rekonstruiert (AP 3/2). Ein Bürgerforum wird Bürgern der Region die Möglichkeit geben, sich mit der Thematik Paludikultur auseinanderzusetzen und ein Bürgergutachten zu erstellen (AP 3/3). Die Ergebnisse werden im Horizont einer Landethik (AP 3/4) zusammengeführt und systematisiert, so dass sie zum Verständnis dieser Option auf eine „nasse Landwirtschaft“ beitragen.

4 - Ökosystemleistungen

Modul 4 beschäftigt sich mit den ökologischen und wohlfahrtsrelevanten Wirkungen der Paludikultur. Dabei werden zunächst die Moorstandorte auf die Emissionen klimarelevanter Treibhausgase untersucht. Mit den Ergebnissen der Untersuchungen können die klimarelevanten Effekte der Paludikultur auf die Modellregion Vorpommern abgeschätzt werden. Gleichzeitig sollen floristische und faunistische Untersuchungen zeigen, wie Paludikultur auf die Pflanzen- und Tierwelt wirken und inwieweit mit Hilfe unterschiedlicher Bioindikatoren-Gruppen, Aussagen zur naturschutzfachlichen Einschätzung unterschiedlicher Nutzungsformen auf nassen Moorstandorten getroffen werden können. Schließlich werden in einer volkswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Analyse die zu erwartenden Kosten für die Einführung der Paludikultur den erwarteten wohlfahrtsrelevanten Effekten gegenüber gestellt um anreizorientierte, marktwirtschaftliche Instrumente zu erarbeiten.

5 - Produktentwicklung & Wertschöpfung

In Modul 5 werden neue Produkte aus Niedermoorbiomasse und innovative Verwertungskonzepte entwickelt. Damit werden nachhaltige regionale Wertschöpfungsketten erschlossen und umgesetzt. Neben der Identifikation und Test interessanter Produktlinien ist eine Anpassung der Rohstoffbereitstellung (Ernte, Logistik, Aufbereitung) Ziel des Projektes, die den besonderen Gegebenheiten der nassen Moorstandorte gerecht wird. Neben der Darstellung der quantitativen und qualitativen Potentiale der Paludikultur werden die Umsetzungsmöglichkeiten und Anforderungen für eine nachhaltige standortgerechte Bewirtschaftung untersucht und für die Bereitstellungskette für energetische Verwertungen ausgewählter biogener Rohstoffe spezifiziert. Konzepte zur Weiterentwicklung von nachhaltigen tiergebundenen Verfahren (Wasserbüffel) werden erarbeitet. Daneben werden neue regionaler stoffliche Verwertungsketten biogener Rohstoffe aus Mooren in Bau-, Dämm- und Werkstoffen entwickelt und bewertet. Die Ergebnisse des gesamten Projektes „Vorpommern Initiative Paludikultur“ werden in einer Monografie zusammenfassend ausgearbeitet und dargestellt.

6 - Beratung

Die Beratung zum Thema Paludikultur von Beginn an in das Projekt zu integrieren, ist eine besondere Herausforderung. Das Ziel ist zunächst Berater, Multiplikatoren und Beratungseinrichtungen bei der Entwicklung dieser neuen Produktionsrichtung und Technik zu integrieren. Im zweiten Schritt werden dann Landwirte durch Beratung, Workshops oder auch Fachexkursionen über die Möglichkeiten von Paludikultur informiert und hinsichtlich einer Umsetzung beraten.

7 - Anreize & Vermarktung

Die Umsetzung neuer Bewirtschaftungskonzepten wie Paludikultur, stellt für viele Betriebe eine Herausforderung dar. Modul 7 analysiert die Hemmnisse welche für die landwirtschaftlichen Betriebe bei der Annahme neuer Produktionsverfahren bestehen. Im Anschluss werden Konzepte entwickelt wie Hemmnisse überwunden werden können. Darüber hinaus werden Kriterien für die Zertifizierung von Paludikulturprodukte entwickel und ein geeignetes Zertifizierungssystem vorbereitet. Dieses kann dann nach Projektende von den Unternehmen übernommen werden.

8 - Internationalisierung

Die Region Vorpommern wird durch die Arbeit des Moduls Internationalisierung als weltweite Modellregion bekannt gemacht und untersucht die Möglichkeiten von Paludikultur in anderen Teilen der Welt (AP 8/1). Darüber hinaus werden Instrumenten zur internationalen Vermarktung von carbon credits entwickelt (AP 8/2) sowie die internationalen Rahmenbedingungen für eine effektive Implementierung von Paludikultur in Vorpommern und darüber hinaus vorbereitet (AP 8/3).

9 - Nachhaltigkeit und Anschlussfähigkeit

Die Aufgaben im Modul 9 bestehen zum einen darin, die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Nutzung von Mooren bzw. von Standorten mit degradierten Böden, die durch Wiedervernässung ökologisch aufgewertet werden, zu überprüfen. Hierfür werden in einem systemwissenschaftlichen Ansatz die relevanten ökologischen, sozialen und ökonomischen Strukturen und Wechselwirkungen analysiert. Auf dieser Basis und unter Einbeziehung der Erkenntnisse aus anderen Modulen und Teilprojekten wird ein integrierter Ansatz zur Prüfung der Nachhaltigkeit von Moornutzungsstrategien, das heißt ihrer sozialen Anschlussfähigkeit, ihrer ökologischen Verträglichkeit und ihres ökonomischen Nutzens, entwickelt. Zum anderen sollen die Arbeiten im Rahmen des Moduls dazu beitragen, die Interessenlagen und Interaktionen der an unterschiedlichen Nutzungen von Moorstandorten potenziell beteiligten oder von ihnen betroffenen Akteure zu analysieren und wichtige Stakeholder mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen in einen umfassenden Konsultationsprozess zu konkreten Moornutzungsstrategien einzubinden.