Aktuelles

2022

Was jetzt auf Moor passieren muss!

Konferenz „Moorschutz ist Klimaschutz“ hats in Berlin gezeigt

29. März 2022 Nasse Moore sind natürlicher Klimaschutz! Das haben die Wissenschaftler:innen des Greifswald Moor Centrum gemeinsam mit Praktiker:innen und Partner:innen bei der gestrigen Konferenz Moorschutz ist Klimaschutz vor 200 Teilnehmenden in Berlin und ebenso vielen Zuschauern im Livestream gezeigt. Bis zu sieben Prozent der Treibhausgasemissionen Deutschlands lassen sich mit der Wiedervernässung trockengelegter Moore einsparen. Sie stellt somit eine der effektivsten Maßnahmen für das heute von Bundesumweltministerin Steffi Lemke angekündigte Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“ dar.
„Es dürfen nicht noch mehr Krisen akkumulieren. Nasse Moore sind natürlicher Klimaschutz und Wiedervernässung in Deutschland dafür eine der effektivsten Maßnahmen. Deswegen spielen sie eine wichtige Rolle im mit 4 Milliarden Euro veranschlagten, neuen Aktionsprogramm.", sagte Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, auf der Konferenz an.
Die Expertise dafür gibt es. Wissenschaftler:innen des Greifswald Moor Centrum und Partner:innen haben die Klimawirkung vernässter Flächen erforscht und gemeinsam mit Landwirt:innen Paludikulturen erprobt. Innovative Unternehmer:innen haben regionale und ökologische Produkte daraus entwickelt. Einzelne Bundesländer haben Kohlenstoffzertifikate aus Wiedervernässungen aufgelegt. Jetzt geht es darum, Klimaschutz durch Moorschutz in großem Stil umzusetzen, das zeigte die Konferenz. Dafür müssen noch politische, administrative und finanzielle Rahmenbedingungen gestaltet werden, finden auch Vertreter:innen aus Naturschutz, Landwirtschaft und Unternehmen.
Prof. Dr. Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings, bezeichnete die Wiedervernässung der Moore als gesamtgesellschaftliche Aufgabe mit ähnlicher Dimension wie der Kohleausstieg. Beim Klimaschutz stehe die Uhr fünf vor zwölf, bei der Biodiversität sei sie schon abgelaufen. Wolle man Ernährungssicherheit noch sicherstellen, müsse man jetzt anders denken und habe zum Moorschutz keine Wahl. Diesen müssen man jetzt entschieden und gemeinsam vorantreiben.
Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, schätzte die Wiedervernässung der Moore als Generationenprojekt ein, wie es auch die Entwässerung gewesen sei. Es gelte dabei alle mitzunehmen, ehrlich zur Tragweite der Maßnahmen zu kommunizieren und entsprechend langfristig zu fördern. Man müsse den Landnutzer:innen Alternativen bieten. Paludi-PV, also Photovoltaik auf wiedervernässten Moorflächen, könnte dabei ein ‘Kollateralnutzen’ sein.
 

3 kg, 544 Seiten - Deutschlands Moore

Buchvorstellung 28.3.22 Berlin

Deutschlands Moore - Ihr Schicksal in unserer Kulturlandschaft

3. März 2022 Mit 3 kg ist das kürzlich erschienene Buch Deutschlands Moore nicht nur auf der Waage ein Schwergewicht, sondern auch inhaltlich. Auf 544 Seiten und mit 908 Fotografien behandelt es die 115 bedeutendsten Moore Deutschlands. Am Montag 28. März stellt der Autor Prof. em. Dr. Michael Succow das Buch um 19 Uhr in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns in Berlin vor. Beim moderierten Gespräch werden auch die Mitautorinnen Dr. Franziska Tanneberger und Dr. Greta Gaudig auf dem Podium die Wichtigkeit von Mooren für den Klimaschutz diskutieren.
Das ist am selben Tag auch Thema der Konferenz Moorschutz ist Klimaschutz von 10-17 Uhr in der Landesvertretung Niedersachsens in Berlin, die auch per Livestream angeboten wird.

250 Kisten Torfmoos für Venedig

Pavillon zu Moor auf der Biennale

3. März 2022 Ein Pavillon mit einer Torfmoosinstallation soll auf der diesjährigen Biennale in Venedig entstehen. Gemeinsam wollen das Künstlerkollektiv ENSAYOS und Wissenschaftler*innen des Greifswald Moor Centrum mit dem TURBA TOL – HOL HOL TOL benannten Projekt auf die Bedeutung der Moore für den Menschen aufmerksam machen. 250 Kisten mit den delikaten Pflanzen bringen sie auf den Weg. Sie ernten die Torfmoose vom 2.- 4. März per Hand auf einer Anbau- und Forschungsfläche im niedersächsischen Hankhauser Moor.
Diese werden den Biennale-Pavillon Chiles bestücken. Dort gilt es insbesondere in Patagonien riesige Flächen bisher noch intakter Hochmoore vor Bergbauvorhaben und Infrastrukturprojekten zu bewahren. Die geschützten Pflanzen können Torfmoosexpert*innen der Universität Greifswald und des Torfwerks Moorkultur Rahmsloh liefern. Seit 2004 forschen sie zusammen zu Torfmoosen u.a. auf einer inzwischen 17 ha großen Versuchsfläche zum Anbau von Torfmoosen nahe dem niedersächsischen Rastede. Am Donnerstag und Freitag 3./4. März wollen die Wissenschaftler*innen dort 250 Kisten Torfmoose gemeinsam mit der New Yorker-Künstlerin Christy Gast ernten. Dann folgt bereits ein kleiner Kunstakt: Bis zum 15. März müssen die Torfmoose in Venedig angekommen sein, unbeschadet!
Die Biennale selbst beginnt am 23. April und läuft bis 27. November dieses Jahres. Eine halbe Million Besucher werden dort erwartet. Die Moose werden während dieser Zeit wie in einem künstlichen Moor leben und wachsen. Ein eigens installiertes System soll die Wachstumsparameter des Torfmoosteppichs überwachen und darstellen. Es informiert Besucher*innen darüber, wie viel Kohlenstoff akkumuliert und wie viel Wasser benötigt wird.
Um für die Installation des Pavillons das nötig Wissen zu Moor- und Klimathemen zu erwerben, verbringt Künstlerin Gast derzeit eine Residenz in Greifswald. Die Stadt ist umgeben von Moor, birgt die wissenschaftliche Expertise des Greifswald Moor Centrum und als Geburtsstadt von Caspar David Friedrich eine stolzes künstlerisches Erbe. Die Residenz ist gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und das Amt für Bildung, Kultur und Sport der Universitäts- und Hansestadt Greifswald.